Die Vereinigung Andalucía Acoge hat mit anderen Gruppen zum 30. Jahrestag der ersten ertrunkenen Bootsflüchtlinge, die über die Meerenge nach Europa wollten, eine ausführliche 30-Jahre-Chronik der Boat-people im westlichen Mittelmeer herausgegeben. Die Chronik umfasst auch die Meerespassagen zu den Kanarischen Inseln und die Entwicklung der Abschottungspolitik Spaniens. Andalucía Acoge legt damit zugleich Zeugnis über die eigene Arbeit ab: Die Aktivist*innen haben fortlaufend die Schiffskatastrophen und die Nachrichten über angeschwemmte Tote öffentlich dokumentiert sowie die Überlebenden begleitet und Proteste organisiert.
Spanien: Vor 30 Jahren erste Tragödie von Boat-people
Am 01.11.1988 wurde die erste Schiffskatastrophe von Boat-people in der Meerenge von Gibraltar registriert. Ildefonso Mena fotografierte den ersten angespülten Toten mit dem Flüchtlingsboot bei Tarifa. Überlebende berichteten ihm, dass sie von Tanger losgefahren waren. Von den 18 Verschwundenen des Boots wurden 9 Tote an die Strände Andalusiens angespült. Das Foto, das die Tageszeitung Diario de Cádiz veröffentlichte, sorgte nur im Süden Andalusiens für großes Aufsehen. Die Personen, die sich damals zusammenschlossen – Rafael Lara, Encarna Márquez und andere – sind noch heute aktiv. Die Tageszeitung El Diario veröffentlicht das 30 Jahre alte Foto, berichtet über die Toten der Meerenge von Gibraltar und die rüstigen Aktivist*innen im Süden Andalusiens.
Missing at the Borders: Redouene Djezzar und Ayman Ben Smida
Seit Mitte September 2018 ist die mehrsprachige Website MISSING AT THE BORDERS online, die den Familien von Migrant*innen gewidmet ist, welche seit ihrem Versuch, Grenzen zu überqueren, vermisst werden. Auf der Seite werden in regelmäßigen Abständen Video-Zeugnisse von Familienangehörigen veröffentlicht. Der jüngste Beitrag gilt Redouene Djezzar und Ayman Ben Smida, zwei Jungen aus Algerien und Tunesien.
Flüchtlingskarawane in die USA fordert ersten Toten
Am Sonntag wurde der 26-jährige Henry Diaz aus Honduras von einer Gummikugel so schwer am Kopf verletzt, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Über hundert Migrant*innen wurden verletzt, als sie versuchten, die Grenze nach Mexiko zu überqueren. Als Ursache für die Abwanderung nennen Experten inzwischen den Klimawandel, der die Bauern zwingt, ihr Land zu verlassen. Das US-Verteidigungsministerium hat angekündigt, 5.000 Militärs an die Grenze zu verlegen. Und Trump plant die Errichtung von Zeltstädten entlang der Grenze, durch Migrant*innen abgeschreckt werden sollen.
20 Boat-People ertrunken – Nador / Marokko
Am Strand von Charrana bei Nador sind am gestrigen Samstag 20 tote marokkanische Harragas angespült worden. Fischer konnten vier Personen dieser oder einer anderen Schiffskatatrophe in der Nähe im Meer retten. Das spanische und das marokkanische Innenministerium haben sich in den letzten vier Wochen auf eine scharfe Bekämpfung der Boat-people verständigt.
US-Schiff Trenton hätte alle retten können
On 12 June 2018 the US Navy ship Trenton rescued 41 migrants in the Mediterrano, off the coast of Libya, from a collapsed rubber boat. But 76 people have been less lucky and died in the shipwreck. After months we met six of the 41 survivors, who for the first time tell what happened that day. Their memories are dramatic
Italien: Folgen der Abschottungspolitik im zentralen Mittelmeer
Das Mailänder Institut für Politische Studien (ISPI) hat eine Statistik für den Zeitraum Januar 2016 bis September 2018 publiziert, aus der hervorgeht, wie viele Boat-people sich auf den Weg von Libyen nach Europa gemacht haben, wie viele in Italien gelandet sind bzw. nach Libyen zurückgebracht wurden und wie viele die Überfahrt nicht überlebt haben oder vermisst werden. Tendenz: die Zahlen derer, welche die Route über das zentrale Mittelmeer wählen, sinken und das Risiko ist enorm gestiegen. Die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung ist ein wesentlicher Grund dafür.
Algerien: Anschwemmung weiterer Toter
In den letzten Tagen wurden 10 Tote an die Küsten bei der westalgerischen Stadt Oran angeschwemmt.
Marokko, Kriegsschiff: Erneut Schüsse auf Boat-people, ein Verletzter
In den frühen Morgenstunden des 10.10.2018 haben erneut Soldaten eines marokkanischen Kriegsschiffs auf marokkanische Harragas geschossen und dabei einen 16-Jährigen mit einem „Schuss in die Schulter“ verletzt. Der Jugendliche befindet sich jetzt in einem Krankenhaus in Tanger. In dem Flüchtlingsboot an der Atlantikküste vor Larache saßen bei dem Angriff 58 Personen.
Schiffsunglück in der Ägäis: vier Tote, dreißig Vermisste
Bei einem Schiffsunglück vor der türkischen Küste sind mindestens vier Boat-people ums Leben gekommen, dreißig weitere werden noch vermisst. Das Wrack wurde zwischen Smyrna und Chios in türkischen Hoheitsgewässern gefunden.
